Buntstift-Coloration

Hier werden dir mögliche Vorgangsweisen beim Colorieren mit Buntstiften schrittweise erklärt. Außerdem erhälst du grundlegende Informationen über das Zusammenspiel von verschiedenen Farben.

Grundlegendes

In diesem Abschnitt werden dir einige wichtige Grundlagen erklärt, die später beim Zeichnen und der Coloration eine wichtige Rolle spielen werden.

Die Buntstifte

Auch bei den Buntstiften gibt es - genauso wie bei den Bleistiften und Papieren (siehe auch Artikel: "Skizzen und Lines") - eine Fülle an Angeboten. Es gibt Buntstifte von guter Qualität und solche, die man besser meiden sollte. Ein ausschlaggebender Punkt ist die Farbintensität. Viele Buntstifte wirken matt und besitzen kaum Deckkraft.

Wie auch schon bei den Bleistiften kann wiederum Faber-Castell empfohlen werden. Deren Buntstifte besitzen eine tolle Farbintensität, auch ohne übermäßiges Aufdrücken. Sie sind allgemein robust und brechen nicht bei jeder Kleinigkeit ab. Außerdem verwischen die Farben nicht so extrem, wenn man ausversehen mit der Hand drüberfährt. Allgemein gibt es viele unterschiedliche Farbabstufungen, bei denen jeder die Farben finden wird, die er benötigt.

Der Farbkreis
Der Farbkreis

Die Farbenlehre

Erstmal geht es um das Zusammenspiel der Farben. Gut eingesetzte Farbkombinationen erzielen bestimmte Effekte, die ein Bild in seiner Wirkung unterstützen können. Schlecht gewählte Farbkombinationen, können hingegen die Wirkung eines Bildes zerstören! Daher ist es wichtig, einige Farbeffekte zu kennen und richtig zu nutzen.

Die Farben die sich im Farbkreis gegenüberstehen, werden als Komplementärfarben bezeichnet. Verwendet man Komplementärfarben nebeneinander, verstärkt sich die Leuchtkraft der Farben. Das Bild wirkt dadurch bunter und kräftiger, aber teilweise können dabei so starke Kontraste entstehen, dass einem die Augen vom Anschauen wehtun. Der Komplementärkontrast
Komplementär-Kontrast
Im Gegensatz dazu wirken Farben die im Farbkreis nebeneinander liegen harmonisch. Zwar erscheinen sie in diesem Fall nicht so kräftig, dafür kann man sich aber sicher sein, dass sie immer zueinander passen. Harmonische Farbwahl
Harmonische Farbwahl
Ein weiterer wichtiger Kontrast ist der Hell-Dunkel-Kontrast. Bei diesem Kontrast macht man sich die Farbhelligkeit zu Nutze. Das heißt, dass eine helle Fläche neben einer dunklen Fläche mehr auffällt. Außerdem kann man mit diesem Effekt eine gewisse Plastizität erzeugen. Dunkle Farben erheben den Anschein mehr in den Hintergrund zu treten, während die hellen Farben eher nach vorne kommen. Der Hell-Dunkel-Kontrast
Hell-Dunkel-Kontrast
Der "Kalt-Warm-Kontrast" ist wichtig in Bezug auf die Perspektive eine Bildes. Der Kalt-Warm-Kontrast spielt vor allem bei Landschaftszeichnungen eine wichtige Rolle.
• Kalte Farben (im Farbkreis gesehen also die linke Seite) erzeugen Weite. Gegenstände oder Dinge die weiter entfernt sind, werden häufig mit kalten Farben dargestellt oder zumindest mit diesen unterstützt. Auch Schatten wirken lebendiger, wenn nicht nur schwarz, sondern zusätzlich eine kalte Farbe (meist blau) eingesetzt wird.
• Dagegen scheinen die mit warmen Farben (die rechte Seite des Farbkreises) dargestellten Gegenstände näher am Betrachter zu sein. Sie sind also besonders gut für Dinge im Vordergrund geeignet.

Die richtige Vorbereitung

Bevor es an das Colorieren geht, musst du noch ein paar wichtige Vorbereitungen treffen:

  • Du solltest eine klare Vorstellung davon haben, wie dein Bild aussehen soll, bevor du mit der Coloration anfängst, da wegradieren fast unmöglich ist.
  • Bei Farbcolorationen gilt im Allgemeinen die Regel, von hell nach dunkel zu colorieren. Dunklere Farben decken mehr und können somit auch helle Flächen überdecken. Eine helle Farbe auf einer dunklen ist kaum bis gar nicht erkennbar.
  • Such dir schonmal alle Farbstifte raus, die du bei deiner Coloration verwenden möchtest. Leg dir am besten ein Schmierblatt nebenhin, auf dem du Farben und Farbkombinationen ausprobieren kannst, bevor du sie auf deinem Bild anwendest. Dieses Blatt kannst du auch noch zusätzlich als Schutz über bereits colorierte Flächen legen, damit du mit deiner Hand nichts unabsichtlich verwischst.
  • Male niemals in verschiedene Richtungen. Behalte die Richtung bei, oder male ein kleinen Kreisen. Dadurch ergibt sich am besten eine einheitliche Fläche.
  • Überlege dir vorher, welche Colorationstechnik du anwenden möchtest. Es gibt zwei Möglichkeiten:
  • Bei der ersten Technik gehen die Farbabstufungen ineinander über, was meist plastischer und realistischer wirkt. Die zweite Möglichkeit ist, die Farben klar voneinander zu trennen (das sieht man häufig bei Mangas/Animes).

Wenn du diese Punkte beachtet hast, kann es mit der Coloration losgehen!


Colorieren und Schattierungen erstellen

Im folgenden werden wir zwei unterschiedliche Techniken vorstellen:

Technik 1: Farbabstufungen gehen ineinander über

Outlines

(1) Lege dein Bild mit den fertigen Outlines auf eine harte und gleichmäßige Unterfläche. Die vorbereiteten Buntstifte sowie das Schmierblatt und der Spitzer sollten in Reichweite sein.
Suche dir nun aus deinen Farben ein helles grau und die hellen Grundfarben deines Bildes heraus. Die Grundfarbe von Seedraking ist z.B. blau für den Körper und gelb für die Brust. Wichtig ist, wie oben schon erklärt, dass du mit hellen Farben beginnst, damit du später mit den dunkleren Abstufungen die Schatten malen kannst.

Grundfarben

(2) Um den Schatten-Effekt zu verstärken, kannst du mit der hellgrau schon leichte Nuancen setzen. Nimm also zuerst die hellgrau und male damit ganz zart über die Stellen, wo später Farbe hin soll. Dort wo später der Schatten sitzen soll, drückst du etwas fester auf, damit das grau dort dunkler wird. Pass aber auf, dass du nicht zu fest aufdrückst. Je fester du mit Buntstiften aufdrückst, desto dunkler wird die Farbe; außerdem nimmt die Farbintensität zu. Versuche also möglichst, den Druck gleichmäßig zu halten.
An den Stellen wo der Lichteinfall am stärksten ist, kannst du ruhig ein paar Stellen weiß lassen. Dass verstärkt den Licht-Schatten-Effekt und wirkt am Ende viel plastischer.
Danach nimmst du die Grundfarben deines Bildes und malst damit die entsprechenden Stellen an. Im Fall von Seedraking also beispielsweise das helle gelb für die Brust und die hellblau für den Körper.

Schatten durch Farbabstufungen

(3) Sobald du dein Bild gleichmäßig mit den Grundfarben angemalt hast, werden nun die Schatten deutlicher ausgearbeitet. Mit der hellen grau wurden ja bereits leichte Schatten gesetzt. An diesen Stellen musst du nun mit der Grundfarbe etwas mehr aufdrücken. Versuche vorsichtig und gleichmäßig immer mehr Druck auszuüben, bis ein schöner Farbübergang entsteht.
Um das Bild realistischer wirken zu lassen, brauchst du nun eine dunklere Farbe des selben Farbtones der Grundfarben. Im Fall von Seedraking z.B. ein dunkleres blau und beige.
Nichts auf der Welt besitzt nur einen einzigen Farbton; der Grundton gibt zwar die Farbrichtung an, kommt aber in unterschiedlichen Abstufungen vor. Dieses Prinzip kommt auch beim Malen zum Tragen.
Übermale mit dem dunkleren Farbton nicht die gesamte Grundfarbe. Setze ungefähr da an, wo du mit der Grundfarbe mehr Druck ausgeübt hast, sodass die Schattierung intensiver wird.
Suche dir zum Schluss noch einen dunklen Farbton aus, also bei Seedraking ein dunkles blau. Male damit an den dunkelsten Stellen ein oder zwei kräftige Striche. Das gibt dem Schatten noch zusätzlich Tiefe.
Und schon hast du es geschafft. Dein Bild ist fertig.

Technik 2: Farben werden klar voneinander getrennt

Abgrenzung  zwischen den Farben

(1) Begonnen wird auch hier (so wie bei Technik 1) wieder mit den Outlines. Denke an die harte und gleichmäßige Unterfläche, die vorbereiteten Buntstifte, das Schmierblatt und den Spitzer.

Bei dieser Technik werden keine fließenden Übergänge geschaffen. Suche dir also von einem Farbton eine helle und eine dunkle Farbe raus. Mit dem helleren Ton zeichnest du die Abgrenzung zwischen den zwei Farbtönen ein.

Überlege dir also vorher gut, wo du die Grenzen setzen möchtest, denn nachträgliche Änderungen sind kaum möglich.

Schatten durch Abgrenzungen

(2) Male die Flächen unter Berücksichtigung von Licht (heller Farbton) und Schatten (dunkler Farbton) aus.

Diese Technik wird, wie bereits erwähnt, häufig bei Manga- bzw. Animefiguren angewendet. Sie passt nicht unbedingt zu jedem Motiv, wobei das natürlich auch ein wenig Geschmackssache ist. Probiere einfach aus, welche Technik dir am ehesten zusagt. Mischformen sind natürlich auch möglich.

Ein abschließender Tipp:

Scheue dich nicht, von deinen Outlines eine Kopie zu machen und die Coloration erstmal auszuprobieren. Gerade für Anfänger ist es eine gute Möglichkeit Erfahrung zu sammeln, ohne Angst haben zu müssen, das Bild zu zerstören.

Gib nicht auf, auch wenn die ersten Versuche vielleicht nicht so werden, wie du es dir vorgestellt hast. Fehler sind der beste Lehrmeister! Lerne aus ihnen und versuche, die daraus resultierenden Erfahrungen umzusetzen! Und denke immer daran: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, denn nur Übung macht den Meister.

An diesem Inhalt haben Sherly, The Libertine, Delirium und Donnerstern sowie 1 weiteres Mitglied mitgearbeitet.


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