Eine Kurzgeschichte schreiben

Eine Kurzgeschichte, das ist - wie der Name schon erahnen lässt - erst einmal einfach nur eine kurze Geschichte. Eine feste Höchstgrenze gibt es zwar natürlich nicht, in der Regel umfasst eine Kurzgeschichte aber nicht viel mehr als drei DinA4-Seiten (etwa 2000 Wörter). Oft sind sie aber auch noch deutlich kürzer.
Diese Kürze ist auch ein Hauptvorteil der Kurzgeschichten - und zwar sowohl für die Autoren als auch für die Leser: Eine Kurzgeschichte lässt sich relativ schnell schreiben und ebenso schnell lesen. Das Schreiben einer Kurzgeschichte bietet daher gerade für Anfänger einen guten Einstieg. Gleichzeitig aber ist sie auch für fortgeschrittene Autoren eine gute Möglichkeit mit neuen Erzählformen und -stilen zu experimentieren.

Merkmale einer Kurzgeschichte

Zunächst einmal sollen hier ein paar allgemeine Merkmale von Kurzgeschichten aufgeführt werden. Dies sind aber, wohlgemerkt, keine verpflichtenden Regeln nur mögliche Kennzeichen. Die meisten Kurzgeschichten werden nicht alle dieser Merkmale aufweisen, es sind sogar Kurzgeschichten denkbar, die keines davon besitzen. Allerdings kann diese Liste gerade für einen Anfänger sehr hilfreich beim Schreiben einer Kurzgeschichte sein:

  • Ein zentraler Konflikt mit einer überraschenden Wendung/Pointe
  • Offener Anfang und offenes Ende
  • Handlung innerhalb eines begrenzten Zeitraums und an einem Ort
  • Konzentration auf eine oder zwei Hauptfiguren und keine oder nur sehr wenige Nebenfiguren
  • Häufig nicht sofort vollkommen verständlich, sondern muss erst vom Leser interpretiert werden

Eine Kurzgeschichte schreiben

Auch hier gibt es natürlich keine allgemeingültigen Regeln oder Richtlinien - jeder Autor muss dabei seinen eigenen Weg finden, wie ihm das Schreiben am leichtesten fällt: Ob man ganz spontan drauflos schreibt oder erst nach einer ausführlichen und genauen Planung der gesamten Geschichte zu schreiben beginnt oder natürlich irgendetwas dazwischen (oder auch etwas völlig anderes).
Hier in diesem Artikel soll es vor allem um den zweiten Weg gehen - den wer ersteres beherrscht, der braucht keine Anleitung mehr. Und gerade dann, wenn man zum ersten mal etwas schreiben möchte, aber nicht genau weiß wie man damit anfangen soll, dann ist es möglicherweise hilfreich sich etwas systematischer an die Arbeit zu machen:

Ideenfindung

Da eine Kurzgeschichte zunächst einmal vor allem eines ist - nämlich kurz - hat sie, wie bereits oben erwähnt, in der Regel nur einen zentralen Handlungsfaden. Dieser macht dafür aber die Geschichte auch aus, er ist ihr Hauptbestandteil.
Außerdem haben Kurzgeschichten häufig gegen Ende eine „Pointe“, das heißt eine überraschende Wendung. Diese ist in der Regel auch Teil der Haupthandlung bzw. sogar deren Höhepunkt, etwa als Lösung für ein wichtiges Problem oder Entscheidung in einem zentralen Konflikt. Wenn es eine eher unterhaltsame/humorvolle Kurzgeschichte werden soll, kann es auch einfach eine überraschende, ja sogar absurde Wendung sein, die dann auch gleich die Schlusspointe bildet.

Nachdem diese beiden Dinge - die Pointe und die dazuführende/dazugehörende zentrale Handlung - nun also die wichtigsten Bestandteile einer Kurzgeschichte sind, sind diese in der Regel auch das erste, was du für deine Kurzgeschichte erfinden solltest. Hast du diese erst einmal, kann die Geschichte dann um sie herum entstehen.
Also gilt es nun zunächst einmal etwas zu finden, worum es in deiner Kurzgeschichte eigentlich gehen soll:

Schreiben für einen Wettbewerb

Wenn du deine Geschichte für einen Wettbewerb schreiben möchtest, lohnt sich als erstes einmal ein Blick auf die Aufgabenstellung. Denn es ist, auch wenn das in der Regel nicht fest vorgeschrieben ist, meist keine schlechte Idee die Aufgabenstellung oder zumindest einen Teil davon zu einem zentralen Thema deiner Geschichte zu machen.

Wenn du zum Beispiel eine Reizwortgeschichte schreiben möchtest, könntest du dir einmal die vorgegebenen Wörter nehmen und überlegen, was sich aus diesen für ein Konflikt, ein außergewöhnliches Ereignis, eine überraschende Wendung in einer alltäglichen Situation oder eine ungewöhnliche Lösung für ein bestimmtes Problem ergeben könnte. Wenn dir hierbei eine gute Idee kommt, dann hast du nicht nur einen guten Ansatzpunkt für deine Geschichte, sondern auch bereits zumindest einen Teil der vorgegebenen Wörter an prominenter Stelle verwendet.

Sind dagegen ein bestimmtes Thema, eine Situation oder andere Bestandteile deiner Geschichte schon vorgegeben, könntest du versuchen, dir sich daraus ergebende Szenen vor dem inneren Auge vorzustellen und dann zu überlegen, was in dieser Szene interessantes, überraschende oder lustiges passieren könnte. Oder du überlegst dir, welche Schwierigkeiten, Probleme oder Konflikte sich aus einer solchen Situation ergeben könnten. Alle diese Dinge können eine gute Ausgangsbasis für eine interessante Kurzgeschichte bilden, die dann - ganz nebenbei - auch automatisch die gestellte Aufgabe erfüllt.

Freies Schreiben

Hast du dagegen keine oder nur sehr freie Vorgaben, musst du dir deine Ideen (oder eigentlich ja nur deine eine Idee - denn Kurzgeschichten haben eben den Vorteil, dass sie oft schon mit einer einzigen guten, originellen Idee auskommen) anders(wo) beschaffen:

Eigene Erfahrungen sind hier natürlich immer eine gute Quelle. Wenn dir diese für sich genommen nicht interessant genug sind (oder scheinen), kannst du auch versuchen diese oder allgemein alltägliche Situationen aus einer anderen Perspektive zu beschreiben. Oder du bringst ein neues, überraschendes Element mit in die Szene hinein.
Eine andere mögliche Quelle bieten auch immer andere Geschichten oder Filme. Dabei muss man dann aber natürlich besonders aufpassen, dass man sich nur &bquo;inspirieren“ lässt und sie nicht einfach abschreibt.
Schließlich ist es beim Spezialfall einer Pokémon-Kurzgeschichte noch eine gute Möglichkeit die Pokedex-Einträge verschiedener Pokémon zu lesen. Darin finden sich immer wieder interessante, überraschende, manchmal sogar widersprüchliche Sachverhalte, die eine gute Ausgangsbasis für eine Kurzgeschichte bieten können. Darüber hinaus bieten sich auch die Trivia-Bereiche in den Artikeln auf Pokewiki.de oder, wenn du des Englischen mächtig bist, die (noch umfangreicheren) Artikel der bulbapedia an.

Abschließend muss man hier aber auch sagen, dass sich kreative Einfälle nicht erzwingen lassen. Und da gerade spontane Einfälle oft die besten sind, kann es, wenn dir momentan nichts einfällt, durchaus sinnvoll sein, erst mal was anderes (am besten entspannendes) zu machen und die Sache mit der Kurzgeschichte dabei einfach im Hinterkopf zu behalten. Irgendwann wird der Geistesblitz schon kommen... :-)

Planung

Wenn du nun also weiß, worum es in deiner Kurzgeschichte grundsätzlich gehen soll, was der zentrale Handlungsfaden bzw. dessen Höhepunkt und damit die Pointe der Kurzgeschichte sein soll, dann kannst du dich an die Planung der ganzen Geschichte machen:

Worum es grundsätzlich gehen soll, das weißt du nun ja schon. Jetzt musst du dir noch überlegen, wo und wann sich die Geschichte abspielen soll, wer darin mitspielt und aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt werden soll.
Einiges davon ergibt sich möglicherweise schon automatisch aus deiner Handlungsidee, bei den anderen Dingen kannst du dich (musst du dich aber selbstverständlich nicht) an den oben aufgeführten Merkmalen einer Kurzgeschichte orientieren. Für das "wo" bedeutet das also, dass sich die Geschichte in der Regel nur an einem einzigen Ort abspielen wird, für das "wann", dass sie sich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums und ohne große Zeitsprünge abspielt, und für das "wer", dass nur eine begrenzte Anzahl an Personen darin vorkommen. Die genauen Umstände innerhalb derer die Geschichte spielt, können dabei für den Leser durchaus auch unbekannt bleiben (wenn sie keine zentrale Rolle für die Kurzgeschichte spielen - die Geschichte also zum Beispiel wortwörtlich "zeitlos" ist), für dich als Autor ist es aber dennoch sinnvoll, wenn du dir darüber im Klaren bist um Widersprüche in der Beschreibung zu vermeiden. Und vielleicht erhältst du dadurch sogar noch zusätzliche Ideen für die Ausgestaltung deiner Geschichte.
Daneben musst du dir noch überlegen, aus welcher Perspektive du die Geschichte erzählen möchtest: Aus der Ich- oder der "Er-Perspektive", in der Vergangenheit oder der Gegenwart? Dies solltest du unbedingt vor dem Schreiben festlegen und dann auch innerhalb der Geschichte konsequent durchziehen (absichtliche Perspektivwechsel sind zwar auch möglich, aber in einer Kurzgeschichte eher selten anzutreffen und zudem nicht ganz einfach zu handhaben). Die Ich-Perspektive erleichtert es in der Regel dem Leser die Gedanken und Gefühl der Person mitzuteilen, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, und der Leser kann sich dadurch besser in diese Person hinein versetzen. Die "Er-Perspektive" ist dagegen meist etwas distanzierter, erlaubt dafür einen sachlicheren Erzählstil und das Schildern von Ereignissen oder Beobachtungen, die die Hauptperson selbst gar nicht mitbekommt, die für das Verständnis der Geschichte aber unter Umständen notwendig sind.

Und, was brauchst du jetzt noch um mit dem Schreiben anfangen zu können? Nun, eben dieses: Einen Anfang!
Dieser ist natürlich ein besonders wichtiger Teil bei einer Geschichte - denn er ist das erste was der Leser von der Geschichte sieht und sollte ihn idealerweise dazu bringen diese auch weiter zu lesen. Allerdings hast du bei einer Kurzgeschichte den Vorteil, dass eine solche in der Regel einen "offenen Anfang", also einen unmittelbaren Einstieg hat. Du musst daher gar nicht unbedingt lange Einleitung schreiben, sondern kannst auch direkt mit der eigentlichen Handlung beginnen. Du kannst also im Grunde schon an der Stelle beginnen, an der deine Hauptperson in die Situation gerät, die letztlich zu dem zentralen Konflikt deiner Kurzgeschichte führt.
Eine andere Möglichkeit ist es mit einer kurzen Beschreibung des Ortes/der Zeit/der Umstände zu beginnen, in der die Geschichte anfängt, also nach dem Muster: Es war ein ... Tag, als ..., Peter hatte gerade .fchz.. , da ... oder Alles begann in/an/auf ...
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für schon etwas fortgeschrittenere Schreiber bzw. alle die beim Finden des richtigen Anfangs noch eine zusätzliche Herausforderung suchen: Es wirkt oft besonders elegant, wenn Anfang und Schluss zusammen eine Art Rahmen um die ganze Geschichte bilden. Dies kann auf verschiedenste Weise geschehen, z.B. durch eine ähnliche Wortwahl bzw. einen ähnlichen Satz an Anfang und Ende der Geschichte, durch ein nochmaliges Sich-Beziehen auf den Anfang, durch ähnliche oder aufgrund des zentralen Konflikts in der Mitte der Geschichte genau entgegengesetzte Aussagen, ...

Schreiben

Nun also geht es endlich richtig los: Nachdem du nun weißt, worum es in der Geschichte gehen soll, wo und wann sie sich abspielt, welche Personen darin vorkommen, aus welcher Sicht sie erzählt wird und wie die Geschichte anfangen soll, kannst du nun eben dieses tun: Anfangen - zu schreiben.

Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, denn jeder schreibt anders. Ein besonders einfacher Weg ist es, einfach drauf los zu schreiben - auch wenn dir mal nicht die perfekte Formulierung einfällt, schreib einfach weiter und komm am Ende noch einmal darauf zurück. Nur wenn es gar nicht weiter geht, dann kann natürlich auch eine kleine Schreibpause sinnvoll sein.

Viele empfinden es außerdem noch als angenehm beim Schreiben Musik zu hören - am besten natürlich eine, die zu der Stimmung passt, die auch in der zu schreibenden Kurzgeschichte herrscht. Besonders geeignet hierfür ist z.B. Filmmusik, da diese zum einen meist instrumental ist und zum anderen leicht der Stimmung entsprechend auswählen lässt.

Abschlussarbeiten

So, jetzt hast du es also geschafft - du hast eine komplette Geschichte geschrieben. Jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten:
Zunächst einmal solltest du dir den Text unbedingt noch einmal durchlesen. Dabei solltest du vor allem darauf achten, ob die Geschichte in sich stimmig ist, aber auch ob du einzelne Formulierungen noch verbessern kannst, auf fehlende Wörter, sowie natürlich auf Grammatik, Zeichensetzung und Rechtschreibung. Außerdem solltest du deinen Text unbedingt noch von der Rechtschreibprüfung deines Textverarbeitungsprogramms kontrollieren lassen. Diese ist zwar nicht perfekt, aber sie erkennt doch viele Tipp- und Leichtsinnsfehler, die sich schnell verbessern lassen.

Nun fehlt deiner Geschichte nur noch eine letzte Sache: Eine Überschrift. Eine passende Überschrift zu finden, ist manchmal gar nicht so leicht: Denn sie muss nicht nur zur Geschichte passen, sie soll vor allem den Leser dazu animieren die Geschichte zu lesen, zugleich aber auch nicht zu viel über die Pointe der Geschichte verraten.
Konkrete Tipps dazu zu geben ist schwierig, eine kurze Überschrift ist aber meist am besten - ein, zwei Worte, die vielleicht ein zentrales Element der Geschichte aufgreifen, reichen oft schon. Interessant kann auch ein scheinbarer Widerspruch zur Geschichte sein - oder du nutzt die Überschrift um dem Leser einen Hinweis zu geben, wie er die Geschichte interpretieren soll. Oder aber du fasst in der Überschrift einfach ganz klassisch die zentrale Aussage deiner Geschichte zusammen.

Und damit hast du es nun geschafft, deine Geschichte ist fertig und du kannst sie veröffentlichen:

Die Kurzgeschichte veröffentlichen

Veröffentlichen kannst du deine Geschichte - vorausgesetzt sie entspricht den dortigen Regeln - in unserem FanFiction-Bereich veröffentlichen (auch dann, wenn die Geschichte keinen Bezug zu Pokémon hat). Dazu kannst du sie entweder im allgemeinen Kurzgeschichten-Sammelthema posten oder dein eigenes Kurzgeschichten-Sammelthema für alle deine Kurzgeschichten (und Gedichte) eröffnen. Letzteres hat dabei den Vorzug, dass so andere Nutzer deine Geschichten direkt kommentieren können - im allgemeinen Sammelthema ist das nur via PN möglich.

An diesem Inhalt hat Rumo mitgearbeitet.


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